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Die Probleme der Euro-Zone können nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden


Best Case-Szenario zeigt leichte Rezession für 2012 und vorsichtige Erholung im Jahr 2013. Wachstum muss Teil der Debatte sein, aber ohne dabei die Haushaltsdisziplin aus den Augen zu verlieren. Die beiden Hälften der Euro-Zone driften weiter auseinander




Auch wenn die Bildung einer neuen Regierung in Griechenland einige der Sorgen über ein Zerbrechen der Euro-Zone zerstreut hat, zeigt die Sommerausgabe des Ernst & Young Eurozone Forecast (EEF), dass sich die die europäische Konjunktur im Verlauf der nächsten sechs Monate wahrscheinlich weiter abschwächen wird. Mit einer zaghaften Erholung ist, wenn überhaupt, erst 2013 zu rechnen. Die Prognose ist mit diversen Abschwungrisiken behaftet. Dies gilt insbesondere für den Fall, dass die Regierungschefs in dieser Woche auf dem Brüsseler Gipfel zu keinen tragbaren Ergebnissen kommen.

Alain Kinsch, Luxembourg Managing Partner sagt: „Jede Erholung hängt davon ab, dass die Staatsund Regierungschefs und die Finanzminister der Euro-Zone in den nächsten Wochen die Initiative ergreifen und die drängenden Probleme Spaniens, Italiens und Griechenlands in Angriff nehmen. Jetzt sind Flexibilität und Führungsstärke gefragt, um die Probleme nicht weiter auf die lange Bank zu schieben. Der schwierige Balanceakt zwischen Wachstum und Sparen muss gelingen, ohne dass das eine das andere ausschließt.”

Die EEF-Prognose geht davon aus, dass das griechische Sparprogramm fortgesetzt wird und andere Mitglieder der Euro-Zone wie Spanien und Italien nicht noch tiefer in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Ist dies der Fall, wird die Risikoaversion der Finanzmärkte, Unternehmen und Haushalte Ende 2012 nachlassen, obwohl die wirtschaftliche Gesamtleistung in der Euro-Zone in diesem Jahr laut Prognose um 0,6 % schrumpfen wird. Eine etwaige Erholung im Jahr 2013 wird angesichts des Gegenwinds in der Euro-Zone moderat ausfallen. Das prognostizierte Wachstum liegt bei 0,4 %.

Da die Sparzwänge ab 2014 geringer werden und die Weltkonjunktur dann wieder Fahrt aufnimmt, geht die EEF-Prognose für die Euro-Zone von Wachstumsraten von 1,7 % im Jahr 2014 sowie von jeweils 2 % in den Jahren 2015 und 2016 aus.

Das Wachstum in den einzelnen Regionen bleibt ungleich, die Schere zwischen den Kernländern des Nordens und den südlichen Ländern wird sich weiter öffnen. Seit der EEF vor 18 Monaten zum ersten Mal auf diese zunehmende Disparität der Wirtschaftsleistung hinwies, hat sich diese Entwicklung beschleunigt. Während einige der Kernländer in diesem Jahr um eine Rezession herumkommen und im nächsten Jahr ein spürbares Wachstum erreichen werden, geht der EEF davon aus, dass die Peripherieländer erst 2014 wieder Wachstum generieren werden. Und die hohe Arbeitslosenquote in den Peripherieländern vor allem unter jungen Menschen hat inzwischen ein Niveau erreicht, das die Stabilität dieser Gesellschaften bedroht.

Marie Diron, Senior Economic Advisor für den Ernst & Young Eurozone Forecast schätzt die Lage wie folgt ein: „Die Staats- und Regierungschef und Finanzminister der Euro-Zone müssen nun mehr Führungsstärke beweisen, als das in den beiden zurückliegenden Jahren der Fall war. Die Zeit des Redens ist vorüber, auf dem heute beginnenden EU-Gipfel ist entschlossenes Handeln gefragt.“

Griechenland bleibt in der Euro-Zone

Die jüngsten Wahlen in Griechenland haben zu einer Koalitionsregierung geführt, die sich für die IWF/EU-Programme ausgesprochen hat. Doch auch die Parteien, die sich gegen den Rettungsschirm und die damit verbundenen Auflagen gewandt haben, konnten einen beträchtlichen Stimmenanteil erzielen. So bleibt das Risiko, dass die Umsetzung der Finanz- und anderweitigen Reformen in Griechenland scheitert und das Land die Euro-Zone am Ende doch noch verlässt. Obwohl das Risiko eines Auseinanderbrechens in den zurückliegenden Monaten gewachsen ist, geht der EEF davon aus, dass die Euro-Zone in ihrer gegenwärtigen Form erhalten bleibt.

Marie Diron erklärt: „Wenn die Rettung Griechenlands misslingt, wäre das Vertrauen der Märkte in die Fähigkeit der Euro-Zone, die anderen Länder zu retten, erschüttert. Dies würde in Ländern wie Spanien, Italien und Portugal zu einer weiteren Kapitalflucht führen. Dann könnten weitere Länder aus der Währungsunion ausscheiden und die Gemeinschaftswährung zusammenbrechen, mit unübersehbaren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen.“


Notwendigkeit einer tiefgreifenden Umstrukturierung des Bankensektors

Das zweite langfristige Refinanzierungsgeschäft (LTRO) der Europäischen Zentralbank (EZB) führte zu einer allseits begrüßten Entspannung und verringerte das Risiko einer kurzfristigen Kreditklemme. Die Banken berichteten, dass die Kreditbedingungen für potenzielle Kreditnehmer stabiler geworden seien. Gleichzeitig habe sich die Liquidität der Banken und ihr Zugang zu Finanzmitteln nach der rapiden Verschlechterung im Jahr 2011 nun wieder verbessert. Doch die Kreditnachfrage blieb wesentlich schwächer als zu Beginn des zweiten Quartals 2012. Die Kreditklemme wurde zwar abgewendet, doch die Nachfrage der Unternehmen und Verbraucher blieb gering.

Alain Kinsch meint hierzu: „Auch wenn die Gefahr einer unmittelbar bevorstehenden Kreditklemme fürs Erste gebannt ist, steht der Bankensektor in der Euro-Zone vor einer tiefgreifenden und langwierigen Restrukturierung. Das wird die Verfügbarkeit von Krediten für einige Zeit einschränken.“

Steigende Arbeitslosigkeit belastet die Konjunktur

Mit der unterschiedlichen Wirtschaftsleistung innerhalb der Euro-Zone verschärfen sich die Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt weiter. Die Arbeitslosenquote liegt in Spanien bei fast 25 %, in Griechenland bei 22 % und in Portugal bei 15 %. Damit hat sich die Zahl der Arbeitslosen in jedem dieser Länder innerhalb eines halben Jahres um drei bis vier Prozent erhöht. Dies hat nicht nur negative Auswirkungen auf die Binnennachfrage, sondern auch auf Investitionen und die Fähigkeit der Regierungen zur Reduzierung der Staatsdefizite. In Deutschland, Österreich und den Niederlanden liegt die Arbeitslosigkeit dagegen weiter unter 6 %.

Schlechtere Arbeitsmarktbedingungen, geringe Lohnsteigerungen und die Unsicherheit über die gemeinsame Währung belasten das Verbrauchervertrauen. Mit Ausnahme Deutschlands, das jüngsten Untersuchungen zufolge eine positive Grundstimmung bei den Privathaushalten verzeichnet, ist das Verbrauchervertrauen in den zurückliegenden Monaten in allen Ländern der Euro-Zone rückläufig.

Daher prognostiziert der EEF einen Anstieg der realen Verbraucherausgaben im Jahr 2012 um ca. 0,9 % für Deutschland und lediglich um 0,2 % für Frankreich, während sie in den anderen Ländern der Euro-Zone stagnieren oder zurückgehen werden. Da die Unsicherheit über die Auflösung der Euro-Zone in ihrer gegenwärtigen Form auch 2013 noch anhalten wird, geht der EEF davon aus, dass die Verbraucherausgaben in den Kernländern wieder um 1 % wachsen werden. Die Ausgaben der Privathaushalte in den Peripherieländern dürfen jedoch auch 2013 weiter zurückgehen. Diese Entwicklung wird erst 2014 zum Stillstand kommen.

Wachstum oder Sparmaßnahmen

Vor diesem düsteren und risikobehafteten Hintergrund konzentrieren sich die politischen Debatten nun darauf, wie das Wachstum beschleunigt werden kann, damit sich die Sparprogramme am Ende nicht als kontraproduktiv erweisen.

Alain Kinsch meint hierzu: „Einigen fällt die Wahl zwischen Wachstum und Sparmaßnahmen nicht schwer. Doch das ist eine gefährliche Vereinfachung. Angesichts der Risiken der Banken in der Euro-Zone im Hinblick auf Staatsverschuldung sind Haushaltsdisziplin und Stabilität des Finanzsystems enger miteinander verwoben als jemals zuvor. Daher ist die Haushaltsdisziplin ein Schlüsselelement für die Gesundung des Bankensektors und dafür, dass wieder Mittel für Investitionen und Wachstum verfügbar sind.“

Die Haushaltspolitik muss wachstumsfördernde Elemente enthalten. Die Zusammensetzung der Staatsausgaben kann auf nationaler Ebene zur Förderung des Wachstums angepasst werden, indem eine Verschiebung von kurzfristigen Ausgaben zu langfristigen Investitionen vorgenommen wird. Die Länder der Euro-Zone mit niedrigeren Staatsdefiziten können ihre Konsolidierungspolitik lockern, um die Binnennachfrage zu stärken. Das würde helfen, die Konjunktur auch in anderen Ländern wieder anzukurbeln.

Ein zweites Schlüsselelement der Wachstumsstrategie ist der Ausbau des Handels mit rasch wachsenden Volkswirtschaften. Deutschland profitiert bereits von einem substanziellen Wachstum seines Exports von Investitionsgütern nach China und in andere Regionen. Andere Länder haben das bisher versäumt. Für Italien, Spanien und andere Länder geht es darum, diesem Beispiel zu folgen. Um die laufende Wettbewerbsfähigkeit in den Peripherieländern der EU zu sichern, muss vor allem Deutschland unter Umständen höhere Löhne und Preise im Inland akzeptieren. Unter den deutschen Politikverantwortlichen findet diese kurzfristige Lösung durchaus Befürworter, aber ob das von Dauer ist, bleibt abzuwarten.

Schwierige Zeiten

Obwohl die EEF-Prognosen davon ausgehen, dass die Euro-Zone Bestand hat, da die neue griechische Regierung zum Sparkurs zurückkehren und die IWF/EU-Auflagen erfüllen und zudem der Druck auf Spanien und Italien sich verringern wird, liegt ein schwieriges Jahr vor uns. Ohne Erholung des Verbrauchervertrauens und des Geschäftsklimas sowie ohne einen Rückgang der hohen Arbeitslosigkeit bleiben die Aussichten düster.

Marie Diron sagt: „Obwohl wir von einer weiterhin intakten Euro-Zone ausgehen, hat das Risiko eines Auseinanderbrechens im letzten Vierteljahr zugenommen. Es gibt ein gemeinsames Interesse, die Finanzkrise nicht nur einzudämmen, sondern auch zu einem nachhaltigen Wachstum in der gesamten Euro-Zone zurückzukehren. Diese Verschiebung des Schwerpunkts ist zu begrüßen, das Ganze muss jedoch durch eine weiterhin strikte Haushaltsdisziplin untermauert werden. Es müssen in allen Volkswirtschaften schwierige Entscheidungen getroffen werden, nicht nur in denen, die am stärksten von der Krise betroffen sind.“

Alain Kinschs Resümee lautet: „So wichtig es ist, die kurzfristigen Probleme der Euro-Zone zu lösen, so wenig dürfen die politischen Entscheidungsträger die fundamentalen langfristigen Probleme aus den Augen verlieren. Auch wenn die Phase der Unsicherheit zu Ende ist und wieder Stabilität herrscht, müssen die Europäer einen genauen Blick auf ihre wirtschaftliche Zukunft werfen. Die Produktivität in weiten Teilen Europas liegt deutlich unter der in anderen Teilen der Welt, und die Arbeitsabläufe sind oft veraltet. Dieses und eine alternde Bevölkerung werfen ernsthafte Fragen auf.“

„Die Euro-Zone steht an einem kritischen Punkt ihrer Zukunft. Europa braucht kreatives Denken, Flexibilität, eine klare Botschaft und das Verständnis seiner politischen Entscheidungsträger. Diese müssen die Menschen mitnehmen.“

Über Ernst & Young
Ernst & Young ist einer der Marktführer in der Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Transaktionsberatung sowie Advisory Services. Unsere 152.000 Mitarbeiter/Innen weltweit sind durch gemeinsame Werte und unseren hohen Qualitätsanspruch verbunden. Das gemeinsame Ziel aller Mitarbeiter/Innen ist es, unter Einsatz all ihrer Ressourcen, Fähigkeiten und Kompetenzen das Potenzial unserer Mandanten zu entfalten.
www.ey.com/Luxembourg

Vendredi 31 Août 2012
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